Ausblick e.V.
    Förderverein der JVA Weiterstadt
            Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband

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Kunst in der JVA

Dem Leben auf der Spur


In der JVA Weiterstadt fanden von 1998 bis zum Jahr 2007 unter der Leitung der Künstlerin und Kunsttherapeutin Gundula Schneidewind, Darmstadt, Mal- und Schreib-Gruppen statt.

Gundula Schneidewind, die seit 1988 Erfahrungen in den Strafanstalten Adelsheim, Heimsheim und Weiterstadt/Hessen sammelt, hebt in Gesprächen über ihre Arbeit hervor, wie Kunst dazu beiträgt, einem Menschen zu helfen, „zu sich zu kommen“.

Linien, Worte, Schritte und Bewegungen sind von existentieller Qualität, sie sind geeignet,

  • Erschütterungen hervorzurufen,

  • Energien in Fluss zu bringen,

  • Gedanken und Gefühle zu klären und zu ordnen,

denn ein undurchdringliches Bündel von Aggressionen, Sehnsüchten, Trauer, Liebe, Verzweiflung und Hoffnung mündeten in Handlungen, die die Konsequenz der Gefängnisstrafe nach sich zogen. Gewalt, Betrug Eigentumsrechte und Menschen wurden verletzt, ein Tod ist zu verantworten...

Die Menschen in den Gefängnissen nutzen die Angebote der künstlerischen Gruppen und entdecken oft erst nach einer Weile der Mitarbeit, wie kostbar die Zeit für sie selbst geworden ist, und dass es viel mehr zu lernen und zu erfahren gab, als gestalterische Fähigkeiten.

„Ich war eine verlorene Seele in meinem eigenen Gefängnis...“, so schreibt ein entlassener Strafgefangener, und manch ein Gruppenteilnehmer erlebt zum ersten Mal, was es heißt, ein ganzer Mensch zu sein, als ganze Persönlichkeit gesehen und geschätzt zu werden, sich als ganzer Mensch deutlich ausdrücken zu dürfen und verstanden zu werden, um immer mehr der zu sein, der er zutiefst ist: eine Seele, die dabei ist, zu werden.

Gundula Schneidewind verwendet meditative Methoden der Betrachtung, der Versenkung, des Tuns, z. B. Musik- und Bildmeditationen, und übt auch das „Sitzen in der Stille“ mit den Strafgefangenen ein.
Außerdem sind Experimentieren und Spiel wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit - im freien Schweifen kann sich die Seele mit ihren Fähigkeiten entfalten.
Es kann nicht darum gehen, einen Menschen „ändern“ zu wollen, damit er wieder in die Gesellschaft „passt“ - Gundula Schneidewind ermöglicht den Menschen im Gefängnis, sich neu zu erfahren, über die Welt, die Gesellschaft, die Mitmenschen tiefer nachzusinnen und schließlich dem Leben selbst nachzuspüren, das alles erfüllt und durchströmt - das unterschiedslos und grenzenlos auch in „Opfer“ und „Täter“ präsent ist und beide miteinander verbindet.

Menschen, in denen das Interesse am anderen, die Wertschätzung, die Liebe geweckt wurden, können wachsen in dieser Erkenntnis - die ganz konkreten Ergebnisse wie Bilder, Zeichnungen, Geschichten, Gedichte - die Äußerungen der Gruppenteilnehmer zeigen, dass dies möglich ist.

 

Brief eines Strafgefangenen