Die Malkurse „Nahrung für die Seele“
Alle neun Bilder auf dieser Seite sind in diesem Kurs entstanden
© Teilnehmer der Malgruppe, 2002-2012 zur Bildergalerie mit weiteren Bildern
Begegnung
"Doch an der Strafgerichtsbarkeit lässt sich ablesen, ob die Gemeinschaft den Störungen, den Bedrohungen und Gefährdungen ihres Zusammenlebens so nachdenklich und besonnen begegnet, wie es angesichts der Unabänderlichkeit dieser Störungen, Bedrohungen und Gefährdungen (die Geschichte lehrt, dass sie nicht hingenommen werden dürfen, dass man aber mit ihnen leben muss) angemessen ist.“ |
(aus: Gerhard Mauz, Die Justiz vor Gericht - Macht und Ohnmacht der Richter, München, 1991, S. 8) |
Nachdem die Künstlerin und Kunsttherapeutin Gundula Schneidewind 10 Jahre lang wöchentliche Mal- und Meditationsgruppen in der Jugendvollzugsanstalt Adelsheim geleitet hat, begann sie zu Anfang des Jahres1998 in der JVA Weiterstadt, einer Untersuchungshaftanstalt für erwachsene Männer, mit ihrer Arbeit.
|
Im Licht |
Die Untersuchungshaft soll laut Untersuchungshaft-vollzugsordnung vom 12.02.1953 so gestaltet werden, dass „die Persönlichkeit des Untersuchungsgefangenen geachtet“ wird - er soll „würdig, gerecht und menschlich behandelt“ werden, und es soll „der Anschein vermieden werden, als ob er zur Strafe festgehalten werde“. Nach dieser Verordnung ist „schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges entgegenzuwirken“. |
Schädliche Folgen des Freiheitsentzuges sind erfahrungsgemäß:
in Depression oder Lebensüberdruss versinken,
gedanklich und emotional in Sackgassen geraten,
Beziehungen zu Freunden, Angehörigen und „der Welt draußen“ verlieren.
Wie kann das „Malen hinter Gittern“ dazu beitragen, dass der Untersuchungsgefangene während seiner Zeit im Gefängnis nicht an solchen Folgen zu leiden hat? |
Dazu sagt Gundula Schneidewind:
„In den wöchentlichen Gruppen haben die Gefangenen zunächst einmal die Möglichkeit, Entspannung zu finden und ihre Freude am Gestalten zu entfalten. Ich leite in einer Weise zum Malen an, die dem einzelnen Menschen zudem hilft, in sich selbst Kräfte und Klarheit zu finden, sich zu stabilisieren und innerlich weiterzuentwickeln:
Energetische Malübungen auf großen Formaten, freie und geführte Mal-Gebärden, Malen nach Musik mit beiden Händen und auch mit geschlossenen Augen bringen die Kräfte in Fluss und ordnen sie. Spür- und Atemübungen sorgen für Entspannung und öffnen den inneren Raum, aus dem Bilder aufsteigen und in dem sich Gedanken und Gefühle klären und verwandeln können.
| |
Ich bringe außerdem Impulse in die Gruppe, die zu Gespräch und Austausch anregen: Märchen, Geschichten, Gedichte, die gemeinsam zu Bildthemen entwickelt werden.
Themen bilden sich auch aus Ideen, Fragen, Träumen der Gruppenteilnehmer - dies waren in den vergangenen Monaten z. B. „Übersetzung“, „Zeit“, „Mensch und Maske“, „Schichten“, etc., Themen, die also unmittelbar an die Lebenserfahrungen des einzelnen Gefangenen anknüpften.
Es entsteht in der Malgruppe ein Raum, in dem Phantasie und Kreativität in Fluss kommen - Fähigkeiten, die bei der Gestaltung von Lebensplan, Lebenshoffnung und Sinnfindung existenziell wichtig sind und eine entscheidende Hilfe dabei sein können, sowohl Vergangenes deutlicher zu sehen als auch die gegenwärtige Situation im besten Sinne mit zu gestalten.
|
| |
Ohne Titel-01
|
| |
Lebensweg |
Mit den Farben, der Musik, zu deren Klängen gemalt wird, mit den entstandenen Bildern und den Geschichten dazu, wächst an dem „ausgrenzenden Ort Gefängnis“ eine verbindende, integrierende Kraft, die - unter anderem durch Ausstellungen der entstandenen Arbeiten, aber auch ganz direkt durch ihre Wirkung auf den Menschen - in die Gesellschaft diesseits und jenseits von Mauern hineinwirken kann.“
| | | | |
|