Ausblick e.V.
    Förderverein der JVA Weiterstadt
            Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband

.
 
 

Home

 
 

Verein

 
 

Projekte

 
 

JVA

 
 

Archiv

 
 
.

Projekte
des Vereins
 
Projekte
Kunst und Literatur
Malkurse
Schreibkurse
Babylon
Die Weiterstädter Fachtage
Meditationsgruppe
Schulungen
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 


Die Schreibkurse in der JVA Weiterstadt

 

© G. Schneidewind, 2002-2012

„Im Spiegel meiner Seele...“

 

...das ist der Titel des Buches, das einige Texte der JVA-Schreibgruppe vorstellt - es ist eine Zeile aus einem Gedicht eines der Teilnehmer. [Auszüge aus dem Buch lesen]

Im Vorwort stellt Gundula Schneidewind vor, wie in der Gruppe gearbeitet wird und was eine Veröffentlichung der schriftlichen Ergebnisse bezwecken soll.



Methoden:
Die einzelnen Vormittage - 2 ½ Stunden wöchentlich - gestalte ich so, dass wir zunächst mit ausführlichen Sprachspielen beginnen, um die Sprache, das Sprechen, das Fabulieren, Plappern und Erzählen in Fluss zu bringen. Dabei entstehen Assoziationsketten, wir durchwandern Sprach- und Bedeutungsebenen, machen uns dabei spielerisch bewusst, wie der Geist arbeitet, wenn er kreativ-kreisend frei gelassen wird. Wir erzählen im Kreis Phantasiegeschichten, in denen alles geschehen kann, auch Zauberisches, Träumerisches, Wundersames, Absurdes - allerlei Reste von Tageserlebnissen, Gelesenem, Gesehenem kann da einfließen.

Die Impulse für das Schreiben sind dann Musikmeditationen, Phantasiereisen, kleine symbolische Gegenstände, Fotos aus der Zeitung, Abbildungen aus Magazinen, Abbildungen von Kunstwerken, das Malen von Mandala-Meditationsbildern, Zeilen aus der Zeitung oder aus eigenen Texten, Märchen, die wir zu Ende dichten oder für die wir ein neues Ende ersinnen.

Die Grundhaltung dabei ist wichtig: es geht nicht um Leistung, nicht um Vergleichbarkeit, nicht um Kopieren großer Literatur, nicht einmal um richtig und falsch (es wird nichts verbessert) - sondern um das Entwickeln der Freude am Erzählen und am Schreiben und um das Finden der persönlichen Themen, des persönlichen Stils.
Meine Erfahrung ist: jeder Mensch ist die Fülle des Lebens. Jeder Mensch kann dieser Fülle Ausdruck verleihen, wenn er dazu ermutigt wird und wenn ein Rahmen gestaltet wird, der das unterstützt.

Kunst beginnt an dieser Stelle: wo der Mensch seiner eigenen Seele begegnet und von da aus selbständig weitergeht.

Therapeutische Arbeit setzt hier an: wo der Mensch sich gehört, gesehen und wertgeschätzt fühlt, wo sein Ich gestärkt wird - erst dann kann er Mut fassen, die Dunkelheiten, die Konflikte und Probleme in seinem Leben ins Auge zu fassen.

Kultur- Wo Menschen so von ihrem Wesen her gestalten und wirken dürfen - sei es nun in Bildern, in Texten oder im Tun in ihrem Umfeld - wirken sie befruchtend in der Gemeinschaft eines Staatswesens und tragen so wesentlich zu seiner Kultur bei.

Gerhard Mauz schreibt in seinem Buch „Justiz vor Gericht - Macht und Ohnmacht der  Richter“ - München 1991:

„Doch an der Strafgerichtsbarkeit lässt sich ablesen, ob die Gemeinschaft den Störungen, den Bedrohungen und Gefährdungen ihres Zusammenlebens so nachdenklich und besonnen begegnet, wie es angesichts der Unabänderlichkeit dieser Störungen, Bedrohungen und Gefährdungen (die Geschichte lehrt, dass sie nicht hingenommen werden dürfen, dass man aber mit ihnen leben muss) angemessen ist.“

Menschen, die für eine bestimmte Zeit sozusagen aus der Öffentlichkeit herausgenommen sind, Menschen, die in Untersuchungshaft oder Strafhaft sind, müssen Gelegenheit bekommen, sich und ihre Fähigkeiten, ihren Geist, ihr Bewusstsein, ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
Es muss uns daran liegen, diese Menschen nach Ende der Untersuchungshaft oder der Strafhaft wieder aufnehmen zu können in dem Bewusstsein: sie haben eine Chance bekommen, die Zeit so zu gestalten, dass sie nicht einfach „abgesessen“ sondern gebraucht wurde - wie Wolf Biermann singt:

„Du, lass dich nicht verbrauchen, gebrauche deine Zeit!
Du brauchst uns und wir brauchen grad deine Heiterkeit!“

Für mein Verständnis meiner Arbeit im Strafvollzug sind Kunst/Kultur, Therapie und Politik die Spitzen eines Dreiecks, in dessen Feld ich mich bewege. Für dieses Feld wähle ich Methoden und Inhalte aus, dieses Feld wird beackert, eingesät, gegossen, gepflegt. Die Ernte ist der einzelne Mensch selbst, mit dem, was er der Gesellschaft zurückgibt, wenn er solche Erfahrungen machen konnte.



Diese Veröffentlichung soll

...initiieren, dass Menschen angeregt werden, im Arbeitsfeld Gefängnis zu wirken und ihre Fähigkeiten und Lebenserfahrungen dort einzubringen

...vorstellen, welche Methoden Kreativität in Gang bringen können

...inspirieren zu weiteren Möglichkeiten und Methoden der Resozialisierung

...vermitteln, welche Möglichkeiten in jedem Menschen in jeder Lebenssituation stecken, welche Begabungen darauf warten, gefördert zu werden

...verbinden, was durch die Mauern, vor allem aber durch Vorurteile und Ängste getrennt ist

...anstecken mit der Freude, die ich bei der Begegnung mit meinen Schreibern und Malern erlebe

Darmstadt, im November 2000

Gundula Schneidewind

 

Das Buch kann gegen eine Spende von EUR 15,00 an den Verein Ausblick e.V. bezogen werden. Bitte wenden Sie sich an Herrn Linz!

[Auszüge aus dem Buch lesen]

Hinweis:
Das Copyright liegt bei den jeweiligen Autoren, die hier nicht namentlich genannt werden können)